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Diabetes - Wörterbuch
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Begriff Definition
KreatininAbfallprodukt aus dem Muskelstoffwechsel. Als harnpflichtige Substanz wird Kreatinin bis auf geringe Mengen über die Nieren ausgeschieden. Kommt es zu einer Funktionsstörung der Nieren (Niereninsuffizienz), so werden die harnpflichtigen Substanzen zu denen das Kreatinin zählt, vermindert ausgeschieden, d.h. ihre Konzentration im Blut steigt zwangsläufig an. Im Falle des Kreatinins verläuft der Anstieg der Konzentration im Blut ziemlich genau parallel zu dem Nachlassen der Nierenfunktion, d.h. je höher der Kreatininwert im Blut, desto schlechter die Nierenfunktion.
 
Kussmaul-AtmungRhythmische, abnorm tiefe Atmung mit normaler oder erniedrigter Frequenz. Kommt z.B. beim ketoazidotischen Coma diabeticum mit Übersäuerung des Blutes durch Ketonkörper vor. Durch die vertiefte Atmung versucht der Körper, Säure in Form von Kohlensäure abzuatmen um der Übersäuerung entgegenzuwirken.
 
LaktatSalz der Milchsäure. Laktat entsteht als Stoffwechselzwischenprodukt beim Abbau von Kohlenhydraten (z.B. Traubenzucker) z.B. bei körperlicher Anstrengung. Es wird vom Skelettmuskel in die Blutbahn abgegeben und in der Leber zum Neuaufbau von Glukose im Rahmen der Glukoseneubildung (Glukoneogenese) verwendet.
 
LaktatazidoseÜbersäuerung (Azidose) des Blutes durch Anhäufung von Milchsäure (Laktat). In ausgeprägten Fällen führt die Laktatazidose zu Schock und Versagen der Nierenfunktion. Die Ursachen der Laktatazidose sind vielfältig. Manche Medikamente, z.B. die in der Diabetologie verwendeten Biguanide, können unter bestimmten Umständen zu Laktatazidose führen.
 
Langerhans'schen InselnHormonbildende Zellgruppierung innerhalb der Bauchspeicheldrüse. Im Rahmen einer Doktorarbeit im Jahre 1969 fielen dem damaligen Studenten Paul Langerhans bei mikroskopischen Untersuchungen der Bauchspeicheldrüse Zellgruppierungen auf, die wie Inseln innerhalb des Bauchspeicheldrüsengewebes eingebettet waren. Diese Zellverbände wurden von ihm beschrieben und später nach ihm benannt. Es dauerte allerdings noch Jahre, bis die Bedeutung dieser Langerhans'schen Inseln aufgedeckt wurde, nämlich, daß es sich um die Bildungsstätte mehrerer Hormone unter anderem des Insulins handelte. Heute weiß man, daß die Inseln aus mehreren unterschiedlichen Typen bestehen (A, B, D-Zellen), die jeweils voneinander verschiedene Hormone produzieren.
 
LangzeitinsulinLängerwirkende Insuline (Depot-Insulin, Verzögerungsinsulin).
 
Laser-KoagulationAugenärztliche Behandlungsmöglichkeit der diabetischen Netzhauterkrankung (Retinopathie). Laserstrahlen sind intensive, besonders energiereiche Lichtstrahlen. Koagulation bedeutet: "auswirken, gerinnen", in etwas weiterem Sinne verständlicher ausgedrückt "verkochen". Diese Laser-Koagulation ist heutzutage die Methode der Wahl bei diabetischen Netzhautveränderungen (Retinopathia diabetica). Bei dieser Erkrankung zeigen die Netzhautgefäße Veränderungen, durch die es zu Blutungen wie auch zu Eiweiß- und Fettablagerungen kommt. Das "Verkochen" dieser veränderten Gefäße, das mit dem Laserstrahl punktuell möglich ist, kann diese Vorgänge zumindest aufhalten. Eine vorhandene diabetische Netzhauterkrankung läßt sich durch die Laser- Koagulation nicht heilen, wohl aber kann das Fortschreiten im Hinblick auf die weitere Einschränkung der Sehkraft aufgehalten werden. Die Notwendigkeit zur Durchführung der Laser-Koagulation hängt vom Stadium der Netzhauterkrankung ab. Sie ist insbesondere dann angezeigt, wenn die Netzhaut zu stärkeren Gefäßneubildungen neigt, da die neugebildeten Gefäße die Netzhaut durchsprossen und so die Sehschärfe weiter einschränken. Die Laser-Koagulation wird vom Augenarzt meist ambulant, seltener stationär durchgeführt.
 
LDL Abkürzung für Low density Lipoprotein = Lipoprotein niedriger Dichte. Lipoproteine sind Verbindungen aus Eiweiß und Fetten. Mit dieser Verbindung wird der Transport der normalerweise wasserunlöslichen Fette im Blut ermöglicht. Die Blutfette, insbesondere Cholesterin, werden ja bekanntermaßen neben anderen Risikofaktoren (Bluthochdruck, Nikotinmißbrauch) für die Entstehung der Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) verantwortlich gemacht. LDL haben einen hohen prozentualen Gehalt an Cholesterin und gelten als besonders förderlich für die Entstehung der Gefäßverkalkung.
 
LebenserwartungStatistischer Mittelwert, der die Anzahl der zu erwartenden Lebensjahre erfaßt. In der Bundesrepublik Deutschland liegt die derzeitige mittlere Lebenserwartung für Männer bei 72, für Frauen bei 78 Jahren.
 
LipideOberbegriff für sämtliche Fettarten (= Familienname der Fette).
 
LipodystrophieUmschriebene Rückbildung des Unterhautfettgewebes, bei der es sich wahrscheinlich um eine verspätet einsetzende allergische Reaktion des Fettgewebes auf Insulin handelt. Die Lipodystrophie wird heutzutage durch die Verwendung hochgereinigter Insuline kaum noch beobachtet. Stetiger Wechsel der Injektionsstellen hilft gleichfalls ihre Ausbildung zu vermeiden.
 
LipolyseAbbau der körpereigenen Fettbestände. Insulin übt eine hemmende Wirkung auf die Lipolyse aus.
 
Lispro-InsulinInsulin-Analogon. Senkt den Blutzucker und wird wie Alt- oder Verzögerungsinsulin subcutan gespritzt. Lispro-Insulin hat eine kürzere Wirkdauer (ca. 2,5 Std.) und einen schnelleren Wirkeintritt als Altinsulin. Es kann ohne Spritz-Eß-Abstand zu den Mahlzeiten gespritzt werden.
 
Lävulose(= Fructose = Fruchtzucker) Zählt zu den Zuckeraustauschstoffen, deren Verwertung fast ausschließlich insulinunabhängig erfolgt. Wird daher häufig in Diabetikerlebensmitteln zum Süßen verwendet. Lävulose hat die gleiche Kalorienmenge wie die übrigen Kohlenhydrate, so daß übermäßige Verwendung zur Gewichtszunahme führt. Lävulose muß daher bei der Ermittlung der BE-Menge einer Mahlzeit mitgerechnet werden.
 
Makroangiopathie(= Arteriosklerose) Verkalkung der mittelgroßen und großen Arterien. Die Entstehung der Arteriosklerose wird durch das Vorhandensein von Risikofaktoren gefördert. Hierzu zählen: Bluthochdruck, Nikotinkonsum, Fettstoffwechselstörungen (insbesondere die Cholesterinerhöhung) und auch Diabetes. Die Makroangiopathie, also die Arteriosklerose des Diabetikers zeigt keine Unterschiede zu der der Nichtdiabetiker, allerdings entsteht sie zu einem früheren Zeitpunkt und weist meist ein rascheres Fortschreiten auf. Der Grund hierfür liegt unter Umständen in zwei Veränderungen, die zumindest für manche Diabetesformen typisch sind: erhöhte (!) Insulinspiegel und Veränderungen des Verhaltens der Blutplättchen. Es ist bekannt, daß hohe Insulinspiegel, wie sie insbesondere übergewichtige Typ-2-Diabetiker zeigen (Hyperinsulinämie), die Gefäßverkalkung fördern. Im Rahmen einer Gewichtsabnahme lassen sich diese Insulinspiegel in der Regel absenken. Somit ist die Gewichtsnormalisierung nicht nur eine wichtige Maßnahme zur Diabeteseinstellung, sondern auch ein wirksamer Schutz gegen Gefäßverkalkung. Welche Rolle die bei Diabetikern nachweisbare gesteigerte Verklebbarkeit der Blutplättchen im Hinblick auf die Entstehung der Gefäßverkalkung hat, ist noch nicht ausreichend geklärt.
 
Mal perforantSchmerzloses, meist tiefreichendes Geschwür, das sich in der Regel im Bereich der Fußsohle, oft aus banalen, schlecht abheilenden Verletzungen entwickelt. Die Schmerzlosigkeit des Prozesses ist bedingt durch eine Schädigung der Nerven (Neuropathie), die meist im Rahmen eines Diabetes mellitus auftritt oder auch bei einer Nervenschädigung durch langgehenden Alkoholmißbrauch.
 
Manifestation"Offenbar-Werden" einer Erkrankung. Manche Krankheiten bleiben lange Zeit verborgen (z.B. die Erbanlage für eine diabetische Stoffwechselkrankheit) und treten erst unter besonderen Umständen (z.B. Erreichen eines bestimmten Lebensalters oder durch Übergewicht in Erscheinung). Diesen Vorgang nennt man die Manifestation einer Erkrankung, nachdem sie vorher lange Zeit verborgen (d.h. latent) vorhanden war.
 
MDE Minderung der Erwerbsfähigkeit. Meist in Prozenten vom Hundert angegebene Verminderung der Erwerbsfähigkeit (z.B. infolge von Krankheiten oder Unfallschäden). Die gesetzliche Rentenversicherung beschreibt die Erwerbsfähigkeit als die Fähigkeit, eine Erwerbstätigkeit in gewisser Regelmäßigkeit auszuüben. Eine Erwerbsunfähigkeit (EU) liegt vor, wenn jemand "infolge Krankheit" (Gebrechen) oder Schwäche seiner körperlichen und geistigen Kräfte auf nicht absehbare Zeit eine Erwerbstätigkeit in gewisser Regelmäßigkeit nicht mehr ausüben oder nur noch geringfügige Einkünfte durch Erwerbstätigkeit erzielen kann.
 
MediaskleroseSonderform der Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), die bevorzugt bei Diabetikern vorkommt und insbesondere durch eine Verkalkung der mittleren Gefäßwandschichten gekennzeichnet ist.
 
Metabolisches SyndromMetabolismus bedeutet Stoffwechsel, Syndrom bedeutet Gruppe gleichzeitig zusammen auftretender Krankheitszeichen. Im Falle des Metabolischen Syndroms sind dies: Insulinresistenz (Insulin wirkt nicht richtig), Hyperinsulinämie (es ist zu viel Insulin im Blut), Glucoseintoleranz (Zuckeraufnahme bewirkt erhöhte BZ-Werte), Hypertriglyzeridämie (Erhöhung der Neutralfette im Blut), Hypo-HDL-Cholesterinämie (zu tiefe HDL-Cholesterinwerte im Blut [siehe dort]), Hypertonie (erhöhter Blutdruck). Meist sind die Patienten, die an einem Metabolischen Syndrom erkrankt sind auch übergewichtig. Die Kombination der Störungen geht anerkannt mit einem erhöhten Risiko für die Koronare Herzerkrankung einher. Als ursächlicher Faktor wird die Insulinresistenz diskutiert. Die Zusammenhänge sind jedoch nicht bewiesen.
 
MikraltestUrintest zum Nachweis von geringen Mengen Albumin (einem Eiweißkörper). Mit diesem Test können bestehende Nierenschäden beim Diabetiker relativ früh erkannt und damit behandelt werden (siehe auch Mikroalbuminurie). Der Mikraltest wird an 3 unterschiedlichen Tagen vom Morgenurin durchgeführt. Für einen positiven Nachweis von Mikoralbumin muß der Test mindest 2 mal positiv sein.
 
MikroalbuminurieAusscheidung geringer Mengen von Albumin im Urin. Albumin ist ein Eiweißstoff, der in der Leber gebildet wird und den größten Teil des Gesamteiweißes im Blutplasma ausmacht. Bei Nachweis von 20 bis 200 mg/l spricht man von Mikroalbuminurie, über 200 mg/l von Makroalbuminurie. Eine Mikroalbuminurie beim Diabetiker zeigt eine bestehende Nierenschädigung an und muß entsprechend behandelt werden.
 
MikroaneurysmaUmschriebene Wandausbuchtung an kleinen Gefäßen. Ursache dieser Gefäßveränderungen, die im Rahmen einer Mikroangiopathie beobachtet werden, ist eine Schwäche der Gefäßwand als Folge einer Verminderung, der die Gefäßwand stützenden Bindegewebszellen (Perizyten). Mikroaneurysmata können zu deutlichen Einblutungen, insbesondere im Bereich der Netzhaut (Netzhautblutung) führen.
 
MikroangiopathieVeränderungen an kleinen Blutgefäßen infolge längerbestehendem Diabetes. Besonders gut, weil vom Augenarzt leicht einsehbar, lassen sich diese Gefäßveränderungen an den Gefäßen der Netzhaut (= Retina) nachweisen. Die diabetische Mikroangiopathie beschränkt sich aber nicht nur auf die Netzhaut (diese ist nur das "Schaufenster"), sondern auf alle kleinen Gefäße des Körpers. Neben der Retinopathie sind die diabetische Nephropathie (Nierenerkrankung) und wohl auch die Neuropahtie (Nervenerkrankung) wichtige Erscheinungsformen der Mikroangiopathie. Die kleinen Blutgefäße, die im Sinne einer Mikroangiopathie verändert sind, zeigen typische Veränderungen: durch Schwellung der Gefäßinnenhaut kommt es zu einer Verkleinerung des Gefäßdurchmessers und damit zu einer Minderdurchblutung, stellenweise auch zu einem Gefäßverschluß. Diese Gefäßverschlüsse führen natürlich zu einer Minderversorgung der Gewebe mit Blut und damit zu einem Sauerstoffmangel. Zur Verbesserung dieser Situation versucht der Organismus Abhilfe zu schaffen, allerdings mit unzureichenden Mitteln: Es kommt zu Neusprossungen von Gefäßen, die bedauerlicherweise zur Blutversorgung ungeeignet sind, und zudem Schwachstellen (Ausbuchtungen, Mikroaneurysmen) enthalten, die andererseits zu Blutungen führen können. Gefäße, die im Sinne einer Mikroangiopathie verändert sind, zeigen sich als vermehrt durchlässig, so daß durch die Gefäßwand verschiedene Stoffe wie Fette und Eiweiß im Gewebe abgelagert werden. Die Ursache der Mikroangiopathie ist bis heute nicht ausreichend erforscht. Gute Ansätze zur Erklärung bietet die Sorbit-Theorie. Sorbit entsteht aus Glukose und zwar in umso größerer Menge, je höher der Blutzucker liegt. Vom Sorbit weiß man, daß es zu Zellschwellungen führen kann. Dies sind Veränderungen, die am Beginn der Entwicklung einer Mikroangiopathie stehen. Aufgrund dieses Konzeptes wäre eine Behandlung der diabetischen Mikroangiopathie, die die Vermeidung der Umwandlung von Glukose zu Sorbit als Grundlage hat, durchaus sinnvoll. Untersuchungen dieser Art laufen derzeit. Unabhängig davon weiß man bereits heute, daß eine gute Diabeteseinstellung Sekundärkomplikationen verhindert, bzw. ihre Entstehung zeitlich verzögern kann. Auch hier kann die Sorbit-Theorie als Erklärung herangezogen werden: je niedriger der Blutzucker, um so geringer die Umwandlungsrate in Sorbit.
 
MikrofilamentInstrument zur Fußuntersuchung auf Nervenschädigung. Es besteht aus einer Kunststofffaser, die senkrecht auf eine bestimmte Stelle an der Fußsohle aufgesetzt wird. Mit dieser Untersuchung kann festgestellt werden, ob möglicherweise eine Nervenschädigung vorliegt.
 


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