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Diabetes - Wörterbuch
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Begriff Definition
Insulinresistenz(resistance = Widerstand) Normalerweise bedeutet Resistenz Widerstandskraft (z.B. gegen Infekte). Unter Insulinresistenz versteht man im übertragenen Sinne Widerstand des Körpers gegen Insulin. Dies führt dazu, daß erst mit einer größeren Insulinmenge Wirkungen erzielt werden, die bei fehlender Insulinresistenz schon von kleineren Mengen erreicht werden. So ist die Insulinresistenz dann anzunehmen, wenn nach mindestens 2 Tagen der Insulinbedarf 200 IE pro Tag beträgt. Ursache der Insulinresistenz ist häufig die Bildung von Insulinantikörpern. In diesem Falle hängen sich die Antikörper an die Insulinteilchen an, wodurch Insulin hinsichtlich seiner Wirkung neutralisiert wird. So wird verständlich, warum erst hohe Insulinmengen eine Wirkung entfalten können. Einen etwas anderen Mechanismus hat die Insulinresistenz des übergewichtigen Diabetikers (Diabetes mellitus Typ-2b). Hier liegt die Ursache für die verminderte Insulinwirkung in einer Störung der Insulinbindungsstellen (= Insulinrezeptoren). Insulin wird zwar an die Bindungsstelle angelagert, aber die Signalweitergabe zur Glukoseaufnahme in die Zelle unterbleibt. Dies bedeutet, daß Insulin in seiner Wirksamkeit erheblich eingeschränkt wird. Diesen Mangel versucht die Bauchspeicheldrüse durch eine Mehrproduktion an Insulin auszugleichen. Dies führt dazu, daß sehr viele übergewichtige Diabetiker überhöhte Blutinsulinspiegel haben (Hyperinsulinismus). Die überhöhten Insulinspiegel bewirken aber eine Abnahme der Insulinbindungsstellen und somit eine weitere Einschränkung der Insulinwirkung. Über diesen Mechanismus (fehlende Signalantwort auf Insulin an der Insulinbindungsstelle, vermehrte Insulinausschüttung durch die Bauchspeicheldrüse, Abnahme der Zahl von Insulinbindungsstellen) erklärt sich die paradoxe Tatsache, daß der Typ-2b-Diabetiker zwar höhere Blutinsulinspiegel hat als der Gesunde, aber dennoch erhöhte Blutzuckerwerte bietet. Die genaue Ursache der geschilderten Störung ist bislang nicht ausreichend erforscht. Jedenfalls weiß man, daß sie sich unter Gewichtsabnahme erheblich bessern kann. Das wichtigste Behandlungsprinzip bei Typ-2b-Diabetikern ist somit die Gewichtsabnahme.
 
InsulinrezeptorBindungsstelle für Insulin. Insulinrezeptoren finden sich sowohl an Zellen von Organen an denen Insulin Wirkung entfaltet (z.B. Leber, Fett und Muskel) aber auch an Zellen, an denen Insulin keine bisher nachweisbare Wirkung hat (z.B. Blutzellen). Chemisch handelt es sich bei Insulinrezeptoren um Zuckereiweißkörper, die der Außenhaut der Zelle aufsitzen. Bildlich gesprochen kann man den Insulinrezeptor als Schloß bezeichnen, das durch den "Schlüssel" Insulin aufgeschlossen wird, um der Glucose den Weg in die Zelle zu ermöglichen. Insulin kann (wie übrigens alle Hormone) seine Wirkung nur über eine Bindung an den Rezeptor entfalten.
 
InsulinödemeMeist zu Beginn einer Insulinbehandlung zu beobachtende Wassereinlagerung (= Ödeme) an den abhängenden Körperpartien (z.B. Beine), aber auch im Gesicht. Die Ursache der Ödembildung ist nicht eindeutig bekannt. Sie liegt möglicherweise in einer durch Insulin verminderten Kochsalzausscheidung. Durch den dadurch erhöhten Kochsalzgehalt des Körpers wird vermehrt Wasser zurückbehalten. Insulinödeme bilden sich meist ohne besondere Maßnahmen trotz Fortsetzung der Insulinbehandlung von selbst zurück.
 
IntermediärinsulineSehr häufig verwendete Insulinpräparate mit mittellanger Wirkung. Intermediärinsuline gehören zu den Verzögerungsinsulinen, also zu den Insulinen mit verlängerter Wirkung. Sie nehmen eine Mittelstellung zwischen den kurzwirkenden Alt-Insulinen und den ultralang wirkenden Insulinen ein.
 
Joule= Maßeinheit für die Energie. Der Energiebedarf des Organismus wird durch die Verstoffwechselung (= "Verbrennung") der aufgenommenen Nährstoffe gedeckt. Dabei ist der Brennwert, d.h. der Energiegewinn der einzelnen Nährstoffe unterschiedlich. Um den Energiegehalt der Nahrung, bzw. den Energiebedarf des Organismus abschätzen zu können, wurde als Maßeinheit die Kalorie, bzw. Kilo-Kalorie (Kcal) eingeführt. Im Zuge internationaler Vereinheitlichung der Maßeinheiten wurde 1977 die "Kalorie" als Maßeinheit der Energie durch "Joule" ersetzt. Eine Kilo-Kalorie (= 1000 Kalorien entspricht 4,186 Kilo-Joule).
 
Juveniler DiabetesHeute nicht mehr verwendeter Begriff für Diabetes mellitus Typ-1.
 
KalorieMaßeinheit der Energie. Eine Kalorie ist definiert als diejenige Energiemenge, die benötigt wird, um 1 g Wasser von 14,5° auf 15° zu erwärmen. Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet die Kalorie den Brennwert der einzelnen Nahrungsmittel. Hoher Kaloriengehalt in der Nahrung führt dann zu einer Körpergewichtszunahme, wenn die aufgenommene Energie nicht völlig verbraucht wird und in Depots wandert (wo sie in der Regel als Fett gespeichert wird). Für Menschen, die Gewichtsprobleme haben, ist es notwendig auf "die Kalorie zu achten". 1977 wurde Joule als Maßeinheit der Energie eingeführt. Dieser Begriff hat aber den Begriff der Kalorie nie ganz verdrängen können.
 
Kapillar(lat. capillus = das Haar) Die Kapillare gehört als ganz feines ("haarfeines") Gefäß zu einem Netzwerk von vielen kleinen Gefäßen, die den gesamten Körper durchziehen. Dieses Kapillarnetz ist als die Endstrombahn des blutzuführenden (= arteriellen) Systems zu betrachten. Hier finden alle lebenswichtigen Austauschvorgänge zwischen Blut und Gewebe statt (z.B. Sauerstoffabgabe von Blut an Gewebe, Abgabe von Stoffwechselabfallprodukten von Gewebe an Blut). Nach Passage des Kapillarbettes sammelt sich das Blut im venösen System und wird dem Herzen und der Lunge zur "Wiederaufbereitung" zugeführt.
 
KapillaroskopieBetrachtung oberflächlich gelegener Blutkapillaren (z.B. im Nagelbett) durch ein Vergrößerungsglas. Die Kapillaroskopie gestattet mögliche Gefäßveränderungen des Diabetikers im Rahmen diabetischer Spätschäden ohne großen Aufwand frühzeitig zu erkennen.
 
KarbunkelEitrige Entzündung mehrerer Haarwurzeln mit entzündlicher Mitreaktion der umgebenen Haut und Unterhaut.
 
KataraktdiabetischDie Katarakt ist dem medizinischen Laien besser als "grauer Star" bekannt. Dem Krankheitsbild liegt eine Verminderung des Sehvermögens durch Trübung der Linse oder der Linsenkapsel zugrunde. Die Katarakt ist bei Diabetikern häufiger anzutreffen als bei Stoffwechselgesunden, wobei die echte diabetische Katarakt allerdings ausschließlich bei Kindern und Jugendlichen anzutreffen ist. Hierbei kommt es im Rahmen von Stoffwechselentgleisungen innerhalb kurzer Zeit zu einer Linsentrübung. Bei älteren Menschen ist eine Unterscheidung zwischen diabetisch bedingter oder durch natürlich Alterungsprozeß hervorgerufener Katarakt nicht möglich. Auffällig ist aber, daß der prozentuale Anteil der Diabetiker in der Gesamtzahl der Patienten mit Katarakt recht hoch liegt (etwa um 20%). Als Ursache der diabetischen Katarakt ist nach dem derzeitigen Kenntnisstand die Hyperglykämie, also die Blutzuckererhöhung, bei schlecht eingestelltem Diabetes anzusehen.
 
KatecholamineWichtige Hormone, die größtenteils im Mark der Nebenniere, aber auch in anderen Nervengeflechten gebildet werden. Bekanntester Vertreter der Gruppe ist Adrenalin. Dieses Hormon wird in Streßsituationen verstärkt freigesetzt und führt u.a. zu einer Beschleunigung des Herzschlages. Auch Unterzuckerungen, die vom Ablauf her letztendlich auch Streßsituationen darstellen, führen zur Freisetzung größerer Adrenalinmengen, wodurch die typische Hypoglykämiesymptomatik (Zittern, Herzklopfen, Unruhe) hervorgerufen wird.
 
KetoazidoseÜbersäuerung des Blutes als Folge einer erhöhten Konzentration an Ketonkörpern. Ursache der gesteigerten Bildung von Ketonkörpern (= Ketogenese) ist beim Diabetiker der Insulinmangel.
 
KetogeneseBildung bzw. Entstehung von Ketonkörpern. Ketonkörper stellen an sich normale Stoffwechselprodukte dar. Ihre Konzentration im Blut ist normalerweise sehr niedrig, da anfallende Ketonkörper rasch weiterverstoffwechselt werden. Ketonkörper als Abbauprodukte der Fettsäuren fallen naturgemäß dann verstärkt an, wenn vermehrt Fett abgebaut wird. Zu einem gesteigerten Fettabbau kommt es zum Beispiel im Hungerzustand (Fastenkur), wobei der Organismus auf seine Depots als Energieträger zurückgreifen muß. Somit geht jeder Hungerzustand immer auch mit einer Steigerung der Ketogenese einher, was letztlich auch am positiven Nachweis von Aceton im Urin beweisbar wird. Beim Diabetiker ist für eine verstärkte Ketogenese in aller erster Linie der Insulinmangel verantwortlich. Eine der zahlreichen Wirkungen des Insulins ist die Hemmung des Fettabbaus. Fällt infolge Insulinmangel diese Bremse weg, kommt es zwangsläufig über den gesteigerten Fettabbau zu einer erhöhten Konzentration an Fettsäuren, die weiter zu Ketonkörpern abgebaut werden. Ist der Insulinmangel sehr ausgeprägt und hält länger an, so kommt es zu sehr hohen Konzentrationen an Ketonkörpern im Blut. Die damit verbundene Übersäuerung des Blutes (Azidose) ist ein wesentliches Merkmal des (ketoazidotischen) Koma diabetikum. Grundsätzlich kann es auch nach einer Unterzuckerung zu einer gesteigerten Ketogenese kommen. Ursache hierfür sind die im Rahmen einer Gegenregulation freiwerdenden Hormone, die zu einem verstärkten Fettabbau führen.
 
KetonkörperÜbergeordneter Begriff für mehrere Substanzen (Acet-Essigsäure, Aceton und Beta-Hydroxy-Buttersäure), die beim Abbau von Fettsäuren als Zwischenprodukt entstehen und im Stoffwechsel weiter verarbeitet werden, so daß sie normalerweise im Blut nur in geringen Mengen anfallen. Über die Entstehung der Ketonkörper, siehe Ketogenese.
 
Kimmelstiel-Wilson-SyndromIm Spätstadium des Diabetes mellitus auftretende Nierenerkrankung, die durch Veränderungen der kleinen und kleinsten Nierengefäße (Kapillare) gekennzeichnet ist. Während anfangs nur eine vermehrte Eiweißausscheidung im Urin nachweisbar ist, zeigen spätere Stadien eine mehr oder minder ausgeprägte Nierenfunktionsstörung (Niereninsuffizienz). Wie alle Spätschäden des Diabetes mellitus ist auch das Kimmelstiel-Wilson-Syndrom durch eine gute Diabeteseinstellung hinauszuschieben, bzw. vollkommen zu verhindern.
 
Kohlenhydrat-AustauschtabelleGrundlage der Diabetesdiät ist nach wie vor die Verteilung der Kohlenhydrate auf die einzelnen Mahlzeiten. Um den Gehalt der einzelnen Nahrungsmittel an Kohlenhydraten einschätzen zu können, wurde der Begriff der Broteinheit (BE) geschaffen. Einer Broteinheit entsprechen 12 g Kohlenhydrate. Kohlenhydrat-Austauschtabellen enthalten Angaben über diejenige Menge in Gramm eines Nahrungsmittels, die einer BE entspricht. Solche Tabellen erlauben die Ernährung variabler zu gestalten, da man verschiedene Nahrungsmittel gegeneinander austauschen kann, ohne den Überblick über die dabei konsumierte BE-Menge zu verlieren. Grundsätzlich sollte man aber wissen, daß nicht alle Nahrungsmittel gegeneinander austauschbar sind.
 
KohlenhydrateGroße Gruppe von Substanzen, die alle unter dem Sammelbegriff "Zucker" zusammengefaßt werden. Chemisch sind Kohlenhydrate Verbindungen, die aus Wasserstoff, Sauerstoff und Kohlenstoff bestehen. Kohlenhydrate sind wichtige Energieträger in der menschlichen Nahrung. Einfache Zucker sind die sogen. Monosaccharide (z.B. Glucose). Lagern sich mehrere Zuckermoleküle zusammen, so entstehen Mehrfach-Zucker (Polysaccharide). Bekanntestes Polysaccharid und gleichzeitig wichtigstes Kohlenhydrat ist die Stärke, die in zahlreichen Nahrungsmitteln vorkommt (z.B. Kartoffel).
 
KohlenhydrateinheitAbkürzung KE, entspricht 10 g Kohlenhydrate. Siehe auch Broteinheit.
 
Koma diabetikumSiehe Coma diabeticum.
 
Kombination eines oralen AntidiabetikumsKombination eines oralen Antidiabetikums (siehe dort) mit Insulin. Oder Kombination der verschiedenen oralen Antidiabetika untereinander. Je nach Bedarf können die unterschiedlichsten Kombinationen angewandt werden.
 
KontrazeptivaMittel zur Empfängnisverhütung. Bekannteste Kontrazeptiva sind die Ovulationshemmer (= Pille) sowie die mechanischen Verhütungsmittel wie Kondome und Intrauterinpessare (= Spirale).
 
Koronariesiehe Coronar-Arterie
 
Koronarsklerosesiehe Coronarsklerose.
 
KorrekturfaktorBegriff aus der intensivierten Insulineinstellung. Hierbei wird zu den Mahlzeiten je nach Menge der zu essenden BE's eine gewisse Menge Insulin gespritzt. Liegt der Blutzucker vor dem Essen über einem Zielwert, der jeweils definiert werden muß, so wird eine bestimmte Menge Insulin zusätzlich injiziert. Diese zusätzliche Menge Insulin, die genau berechnet wird, nennt man Korrekturfaktor.
 


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