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Diabetes - Wörterbuch
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Begriff Definition
FluoreszenzangiographieDarstellung der Gefäße des Augenhintergrundes durch fluoreszierende Substanzen. Hierbei wird Fluorescein in eine Armvene gespritzt und der Durchfluß der Substanzen durch die Netzhautgefäße beobachtet. Mit dieser Methode lassen sich vor allem diabetische Frühschäden an der Netzhaut gut erfassen.
 
Fokus(lat.: Brennpunkt) Im medizinischen Sprachgebrauch wird mit Fokus ein Krankheitsherd bezeichnet, von dem aus Infektionen streuen können. Führt z.B. eine Entzündung der Rachenmandeln oder ein vereiterter Zahn zur Ausbreitung von Keimen oder von ihnen produzierter Giftstoffe in den Gesamtorganismus, so wird der Herd am Zahn als Fokus bezeichnet. In diesem Fall ist immer die Herdbeseitigung erforderlich: der Fokus wird "saniert".
 
FructosaminZuckerbeladene Eiweißbestandteile von Blut und Gewebe. Die Fructosaminbildung erfolgt in Abhängigkeit von der jeweiligen Blutzuckerhöhe: Je höher der Blutzucker um so höher die Konzentration an Fructosamin. Der Abbau der verzuckerten Eiweiße erfolgt in einem Zeitraum bis zu drei Wochen. Somit läßt sich aus der Höhe des Fructosaminspiegels ein Rückschluß auf die mittleren Blutzuckerspiegel der vergangenen drei Wochen ziehen. Ähnlich wie bei HbA1 bzw. HbA1C (siehe dort) kommt dem Fructosamin somit die Funktion eines "Blutzuckergedächtnisses" zu. Die Fructosaminbestimmung überblickt dabei einen kürzeren Zeitraum (bis zu drei Wochen) im Gegensatz zur HBA1-Bestimmung (bis zu drei Monaten). Der Normalbereich der Fructosaminkonzentration liegt bei 1,9-2,7 mmol/l. Für eine schlechte Blutzuckereinstellung während der letzten drei Wochen spricht eine Fructosaminkonzentration über 3,5 mmol/l.
 
Fruktose oder D-Fruktose(= Lävulose) = Fruchtzucker: Kommt unter anderem in Früchten und Honig und zusammen mit Glukose im Haushaltszucker vor. Wird z.T. über Glukose in Glykogen (einer Speicherform des Zuckers) umgewandelt, z.T. aber auch direkt verstoffwechselt. Zählt (zusammen mit Xylit und Sorbit) zu den Zuckeraustauschstoffen, da zu seiner Verstoffwechslung im Gegensatz zu Glukose nur wenig Insulin benötigt wird. Bei der Berechnung der Broteinheiten (BE) muß Fruktose allerdings mitgerechnet werden.
 
FruktoseintoleranzUnverträglichkeit von Fruchtzucker. Seltene erbliche Störung des Fruktosestoffwechsels, wobei durch einen Stoffwechseldefekt Fruktose nur unzureichend abgebaut wird. Hieraus resultiert ein erhöhter Fruchtzuckergehalt des Blutes, der seinerseits die Verstoffwechselung der Glukose stört. Als Folge hiervon resultieren Unterzuckerungen (Hypoglycämien).
 
FurunkelEitrige, durch Bakterien hervorgerufene Entzündung des Haarbalges und seiner Umgebung. Die Entstehung von Furunkeln wird durch Diabetes begünstigt.
 
FurunkuloseHauterkrankung, die durch das gleichzeitige Auftreten mehrerer Furunkel gekennzeichnet ist. Oft wird beim Vorliegen eines Furunkels das Entstehen weiterer Entzündungen durch Schmierinfektionen begünstigt. Häufig befallene Körperteile sind Nacken und Rücken. Beim Vorliegen eines Furunkels bzw. einer Furunkulose kann vorübergehend die Diabeteseinstellung schlechter werden.
 
Gangrän(= "Brand"): Meist an Händen oder Füßen entstehendes Absterben von Gewebe. Ursache ist in der Regel eine schlechte Blutversorgung im Sinne von Durchblutungsstörungen. Manchmal mumifiziert absterbendes Gewebe (trockene Gangrän), es kann aber auch feucht und schmierig sein, insbesondere wenn bakterielle Infektionen vorliegen (feuchte Gangrän). Bei Diabetikern mit längerer Diabetesdauer ist die Gangrän keine seltene Komplikation. Oft entstehen, vor allem an den Füßen, gangränöse Veränderungen aus banalem Anlaß, z.B. infolge Blasenbildung, hervorgerufen durch schlechtsitzendes Schuhwerk. Daher ist gutes Schuhwerk die beste Vorbeugung zur Vermeidung von Gangrän. Abgestorbenes Gewebe kann nicht erhalten, sondern muß vom Chirurgen abgetragen werden. Das Ziel jeder Behandlung muß es daher zunächst sein, die gangränöse Veränderung so klein wie möglich zu halten, um weitere Ausbreitung, die dann unter Umständen zur Amputation eines Unterschenkels führen kann, zu vermeiden. Die internistischen Behandlungsmöglichkeiten bestehen in einer sehr scharfen Einstellung des Blutzuckers sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Durchblutung und Vermeidung von Infektionen. Wichtig ist immer ein sehr frühzeitiger Behandlungsbeginn.
 
GastritisMagenschleimhautentzündung. Meist harmloses Krankheitsbild mit gelegentlichen Druckbeschwerden im Oberbauch.
 
GastropareseMagenlähmung. Störung der Magenfunktion bei autonomer diabetischer Neuropathie (siehe autonome Neuropathie). Symptome sind Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen, Reflux, verlangsamte Magenentleerung.
 
GefäßeIm medizinischen Sprachgebrauch sind die Blutgefäße gemeint. Es gibt 2 Arten: die Arterien, die das Blut vom Herzen weg in die einzelnen Organe und Gewebe führen und die Venen, die das Blut zum Herzen zurückbringen.
 
GefäßverkalkungKalkablagerung in den Wänden der Arterien. Den Verkalkungsprozeß der Gefäße nennt man auch Arteriosklerose. Er wird gefördert durch sogenannte Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen (insbesondere Erhöhung des Cholesterins), Zigarettenrauchen, Bewegungsmangel und schlecht eingestellten Diabetes mellitus. Als Folge der Gefäßverkalkung entsteht eine Verkleinerung des Gefäßquerschnittes und somit eine Verminderung des Blutdurchflusses ("Durchblutungsstörung").
 
GegenregulationWichtiger Regulationsmechanismus mit dem Ziel, bei Auftreten von Unterzuckerung (Hypoglykämie) einen möglichst raschen Wiederanstieg des Blutzuckers zu erzielen. Unterzuckerung ist für den Organismus ein gefährlicher Zustand, den er so rasch wie möglich zu beenden sucht. Die Gegenregulationsmaßnahmen bestehen im wesentlichen im Freisetzen mehrerer Hormone, die verschieden wirken, aber alle das Ziel haben, den Blutzucker anzuheben. Das wichtigste Hormon ist Glucagon, das über eine Spaltung von Glykogen (Glykogenolyse) Glukose freisetzt. Ansonsten sind an der Gegenregulation noch Wachstumshormon, Cortisol sowie Adrenalin beteiligt. Die letzteren beiden Hormone sorgen auch für die subjektiven Nebenwirkungen der Unterzuckerung wie Herzklopfen, Zittern, Schweißausbruch. Die Gegenregulation ist eine "ungezielte Maßnahme". Für den Organismus ist allein entscheidend, daß der Blutzucker ansteigt, eine Begrenzung nach oben ist aber nicht vorgesehen. So kann es durchaus vorkommen, daß nach Hypoglykämien als Folge der Gegenregulation sehr hohe Blutzuckerwerte erreicht werden (Somogyi-Effekt). In einigen Fällen reichen die gegenregulatorischen Maßnahmen aber nicht aus, eine schwere Unterzuckerung mit Bewußtseinsverlust zu vermeiden. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn durch mehrere vorangegangene Unterzuckerungen die "Zuckervorräte" (Glykogenspeicher) aufgebraucht wurden.
 
Genetik(lat. genere = erzeugen) Lehre von Vererbung bzw. der Vererbbarkeit bestimmter Merkmale wie auch Krankheiten.
 
Gestations-Diabetes= Schwangerschaftsdiabetes. Gemeint ist die Erkrankung an Diabetes mellitus, die während einer Schwangerschaft auftritt und vorher nicht bestanden hatte. Für die Schwangerschaft einer Frau bei der bereits Diabetes bekannt ist, wird der Begriff Gestations-Diabetes nicht verwendet. Die Ursache des Gestations-Diabetes ist darin zu suchen, daß mehrere, der während einer Schwangerschaft natürlicherweise gebildeten Hormone die Wirkung von Insulingegenspielern haben und so die Glukosetoleranz verschlechtern. So kommt es während einer Schwangerschaft nicht selten zu Glukosetoleranzstörungen bzw. zu manifestem Diabetes mellitus, eben dem Gestations-Diabetes. In der Regel bildet sich die diabetische Störung nach der Entbindung wieder zurück. Ein Teil der Frauen mit Gestations-Diabetes (ungefähr 30%) entwickeln aber in späteren Jahren auch außerhalb der Schwangerschaft eine diabetische Stoffwechsellage.
 
GestoseKrankheiten, die durch eine Schwangerschaft hervorgerufen werden und nur während einer Schwangerschaft auftreten. Je nach dem zeitlichen Auftreten im Verlauf der Schwangerschaft werden Frühgestosen (z.B. Schwangerschaftserbrechen) und Spätgestosen (z.B. Anstieg des Blutdruckes, Wasseransammlung in den Beinen, Eiweißausscheidung im Urin) unterschieden. Die Schwangerschaft einer Diabetikern ist häufiger von Gestosen bedroht als die einer stoffwechselgesunden Frau, vor allem wenn eine längere Diabetesdauer vorliegt.
 
Glaukom(= grüner Star) Augenerkrankung, die mit einem erhöhten Augeninnendruck einhergeht.
 
GlitazoneSie werden auch Insulin-Sensitizer genannt, was das Wirkprinzip eigentlich schon erklärt:Sie steigern die Empfindlichkeit der Gewebezellen gegenüber dem Insulin und vermindern die Insulinresistenz . Das vom Körper gebildete Insulin ist dann wieder wirkunsvoller in der Lage erhöhte BZ-Werte zu senken. Da der Körper eines Diabetiker Typ1 weder Insulin produziert noch insulinresistent ist, spielen diese Medikamente bei ihm keine Rolle. Insulin-Sensitizer gehören zu den oralen Diabetika, denn sie werden in Tablettenform bei nicht insulinabhängigen Typ2 Diabetikern eingesetzt. Die zur Zeit (Sept.2007) im Handel befindlichen Wirkstoffe sind Rosiglitazon und Pioglitazon. Rosiglitazon wird verwendet von GlaxoSmithKline in den Medikamenten Avandia, als Kombipräparat mit Glimeperid als Avaglim und in Kombination mit Metformin als Avandamet. In einigen wenigen Publikationen ist der Verdacht nachzulesen, daß Rosiglitazon Leberschädigungen hervorrufen kann und durch die Anwendung ein erhöhtes Herzinfarktrisiko besteht. Pioglitazon von von der Firma Takeda Pharma unter dem Handelsnamen Actos vertrieben. Alle Glitazone zeichnen sich nicht gerade durch Nebenwirkungsfreiheit aus, der Vorläufer von Rosiglitazon wurde sogar wegen nachgewiesener starker Leberschädigung vom Markt genommen.
 
GlucagonHormon, das ebenso wie Insulin in den Langerhans'schen Inseln (und zwar in den A-Zellen) gebildet wird. Es handelt sich um einen Eiweißstoff, der aus 29 Aminosäuren aufgebaut ist. Glucagon wirkt blutzuckersteigernd indem es durch Abbau von Glykogen (Glykogenolyse) Glukose freisetzt. Seine blutzuckersteigernde Wirkung ist von erheblicher Bedeutung im Rahmen der Gegenregulation bei Unterzuckerungen. Die Unterzuckerung ist auch der stärkste Ausschüttungsreiz des Hormons. Aufgrund seiner blutzuckersteigernden Wirkung wird Glucagon auch als Medikament zur Behandlung der Unterzuckerung eingesetzt. Es hat den Vorteil, daß es problemlos sowohl in den Muskeln wie auch in das Unterhautfettgewebe und vom Arzt auch in die Vene gespritzt werden kann.
 
GlucagontestUntersuchung zur Bestimmung der Insulinreserven. Der Test beruht auf der Eigenschaft des Glucagon die Insulinausschüttung zu fördern. Ziel der Untersuchung ist es, durch Glucagon, das in die Vene gespritzt wird, die Insulinausschüttung anzuregen, um so eine Aussage über die Funktionsfähigkeit des Inselzellapparates bzw. über das Ausmaß der noch vorhandenen Insulinbildung zu erhalten.
 
GlucocorticoideWirkstoffe (= Hormone), die in der Nebennierenrinde gebildet werden. Glucocorticoide haben eine wichtige Funktion im Stoffwechsel. Sie werden unter anderem in Streßsituationen freigesetzt. Sie wirken blutzuckersteigernd in dem sie die Gluconeogenese fördern.
 
GluconeogeneseNeubildung von Glukose aus Stoffwechselprodukten, die primär nicht zu der Substanzgruppe der Zucker gehören. So werden z.B. Milchsäuren, die bei der Zuckerverbrennung anfallen, oder auch Aminosäuren zur Glukoseneubildung verwendet. Die Gluconeogenese findet ausschließlich in der Leber und z.T. auch in den Nieren statt. Sie wird durch Hormone gesteuert. Ein Blutzuckeranstieg bei Insulinmangel entsteht durch das Fehlen der Möglichkeit, Zucker überhaupt zu verwerten, zum anderen aber auch durch die Tatsache, daß die Zuckerneubildung nicht ausreichend gehemmt wird.
 
Glukose(= Traubenzucker) Der im Blut nachweisbare Zucker ist Glukose. Deshalb ist eine "Blutzuckerbestimmung", genaugenommen eine Bestimmung des Glukosespiegels. Die im Blut enthaltene Glukose wird vom Gewebe aufgenommen und dient der Deckung des Energiebedarfes. Beim Gesunden hält der Organismus den Blutglukosespiegel im Nüchternzustand zwischen 50 bis 100 mg/dl.
 
GlukosehomöostaseBiologisches System zum Zwecke der Regulation des Blutzuckers innerhalb der Normgrenzen (50-100 mg/dl). Der Blutzucker ist eine sich ständig ändernde (dynamische) Größe. Um ein Abgleiten in gefährlich niedrige oder pathologisch hohe (= diabetische) Bereiche zu vermeiden, gibt es verschiedene regulierend eingreifende Systeme, die die Meßgröße Blutzucker weitgehend konstant halten (= Glukosehomöostase). Die Leitstelle in der Blutzuckerregulation ist die Leber. Sie ist sowohl in der Lage die Glukose, die aus dem Darm in das Blut einströmt, aufzunehmen und nach Umbau in Glykogen zu speichern, wie auch bei Bedarf (drohende Unterzuckerung) Glukose nach Spaltung des Glykogens wieder abzugeben. Durch die Glukosehomöostase wird gewährleistet, daß bei fehlender Nahrungsaufnahme (für einen allerdings begrenzten Zeitraum) ausreichend Glukose als Energieträger zur Verfügung steht. Insbesondere das Gehirn, aber auch die roten Blutkörperchen, decken ihren Energiebedarf ausschließlich aus Glukose.
 
GlukosetoleranzGlukosetoleranz (lat. tolere = Ertragen, Erdulden, Aushalten) Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff Glukosetoleranz "Verträglichkeit von Traubenzucker". Gemeint ist die Fähigkeit auf Zufuhr einer bestimmten Menge von Glukose nicht mit einem übermäßigen Anstieg des Blutzuckers zu reagieren. Die Prüfung der Glukosetoleranz erfolgt durch den sogenannten Glukosetoleranztest. Glukosetoleranztest: Ziel der Untersuchung ist es, zu überprüfen, ob die Zufuhr einer genau festgelegten Menge Traubenzucker zu einem übermäßigen Blutzuckeranstieg führt, d.h. die Glukose nicht in erforderlichem Maße verarbeitet werden kann (z.B. bei Vorliegen eines Insulinmangels). Am geläufigsten ist der sogenannte orale Glukosetoleranztest bei dem der Patient 75 g Glukose als Sirup trinkt (nach WHO). Zur Bewertung des Testes ist vor allem der Blutzuckerwert 2 Stunden nach Untersuchungsbeginn wichtig. Eine Glukosetoleranzstörung wird angenommen, wenn der Blutzucker 2 Stunden nach Testbeginn noch über 140 mg/dl liegt. Ein Blutzuckerwert über 200 mg/dl deutet auf das Vorliegen eines Diabetes mellitus hin. Läßt sich bereits aufgrund erhöhter Blutzuckerwerte (Nüchternwerte mehrfach über 110 mg/dl (Nüchtern-Glukose in kapillarem Vollblut), Blutzucker im Tagesverlauf über 200 mg/dl (kapillares Vollblut) bzw. durch den Nachweis von Zucker oder Acetonausscheidung im Urin die Diagnose Diabetes mellitus eindeutig stellen, so erübrigt sich ein Glukosetoleranztest, da hierdurch eine unnötige Blutzuckererhöhung eintreten würde. Damit der Test korrekt abläuft, müssen verschiedene Vorbedingungen erfüllt sein: kohlenhydratreiche Kost 3 Tage vorher, Absetzen verschiedener Medikamente (unter Umständen auch der Pille).

Nicht aus jeder Glukosetoleranzstörung entwickelt sich zwangsläufig auch ein Diabetes mellitus. Man kann aber davon ausgehen, daß bei gestörter Glukosetoleranz die Wahrscheinlichkeit, daß sich ein Diabetes mellitus entwickelt, um den Faktor 10 höher liegt, als bei normaler Glukosetoleranz.
 


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